Gold und Edelmetalle

Gold als Kapitalanlage

 

Gold als Kapitalanlage ist eine Teilklasse der Anlageklasse Rohstoffe. Gold ist ein Edelmetall und dient seit Jahrtausenden auch der Wertaufbewahrung.

Laut Thomson Reuters GFMS wurden Ende 2011 weltweit 32.500 Tonnen Gold als Geldanlagen gehalten.[1] Der Marktwert dieses Goldes entspricht bei einem Goldpreis von 33 Euro pro Gramm (Stand 27. Juni 2014) einem Wert von rund 1 Billion Euro. Neben privaten und institutionellen Anlegern halten auch Staaten bzw. deren Zentralbanken große Bestände an Gold als Reserven. So hielt die Bundesrepublik Deutschland zum Ende Februar 2018 bei Währungsreserven von insgesamt 166 Milliarden Euro etwa 70 Prozent oder 117 Milliarden Euro in Gold und Goldforderungen.[2]

Geschichte

Von der Antike bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde Gold zur Herstellung von Münzen für den Zahlungsverkehr verwendet.[3] Den Besitzern von Gold wurde oftmals per Gesetz das Recht zugestanden, auf Wunsch ihr Edelmetall bei den staatlichen Münzprägestellen oder Notenbanken in kursfähiges Geld einzutauschen.[4] Als Ausgangsmaterial für Geld erfüllte Gold deshalb eine Wertaufbewahrungsfunktion, so wie dies heute bei Banknoten und Kontoguthaben der Fall ist. Eine Kapitalanlage in Gold bedeutete in der Zeit der Metallwährungen somit eine sichere Anlage in liquiden Mitteln. Entsprechend verbreitet war sie unter Privatpersonen und Kaufleuten. Auch nach dem fortschreitenden Bedeutungsverlust des Goldes als Münzmetall in den Weltkriegen blieb die tradierte Verwendung von Gold als Geldanlage erhalten.[5]

Die im März 1968 erfolgte Beendigung der internationalen Goldpreisbindung für Privatpersonen in Höhe von 35 US-Dollar je Feinunze änderte den Charakter einer Goldanlage. Da die Notierungen des Edelmetalls seitdem frei schwanken können, sind mit einer Kapitalanlage in Gold fortwährend Spekulationsgewinne und -verluste möglich. Goldanlagen waren vor allem in den 1970er Jahren aufgrund der damals hohen Inflationsraten beliebt.[6] Ihr Bedeutungsverlust in den beiden folgenden Jahrzehnten wird mit der höheren Attraktivität von anderen Anlageklassen wie beispielsweise Aktien erklärt.[7] Mit Ausbruch der Finanz- und Wirtschaftskrise ab etwa 2007 erlebte Gold insbesondere im angelsächsischen und im deutschsprachigen Raum eine Renaissance als Kapitalanlage.[8] Traditionell wichtige Märkte für Anlagegold sind darüber hinaus die arabischen Staaten und Asien.

Motive für die Goldanlage

Private und institutionelle Anleger investieren in Gold typischerweise, weil sie auf einen steigenden Goldpreis setzen und von diesem profitieren wollen oder zum Zwecke der Absicherung und des Werterhalts ihrer Kapitalanlagen. Hierbei spielen die Sorge vor Inflation und auch Deflation eine wichtige Rolle.

Eine Kapitalanlage in Gold ermöglicht eine Diversifikation der Anlagegelder über eine weitere Anlageklasse. Bei nicht vollständig positiver Korrelation von Gold mit anderen Anlageklassen kann die Ergänzung von Gold in einem Investitions-Portfolio im Rahmen der Vermögensallokation oder des Portfoliomanagements zu einer Risikoreduktion und einer geringeren Schwankungsbreite des gesamten Wertes des Anlageportfolios führen.

Über Anlageinstrumente wie Zertifikate und Derivate können Anleger auch an steigenden, fallenden oder seitwärts tendierenden Goldpreisen partizipieren.

Anlageformen

Die verschiedenen Formen der Kapitalanlage in Gold lassen sich in drei Gruppen einordnen:

Physisches Gold

Börsengehandelte Goldprodukte

Anteile an Goldminenunternehmen

Physisches Gold

Anlegern, die direkt physisches Gold erwerben möchten, steht grundsätzlich der Erwerb von sogenanntem Anlagegold in Form von Goldbarren und Anlagemünzen oder der Erwerb von Schmuckgold und Sammlermünzen offen. Schmuckgold und Sammlermünzen weisen aber in der Regel einen erheblichen Aufpreis gegenüber dem eigentlichen Materialwert auf und eignen sich daher üblicherweise nicht für Anleger, die nur an der Entwicklung des Goldpreises partizipieren möchten.

Laut einer 2011 durch das Steinbeis Research Center for Financial Services durchgeführten repräsentativen Studie bevorzugen 88 % der deutschen Privatpersonen Goldbarren oder -münzen als Form der Kapitalanlage in Gold, während nur 12 % goldbezogene Wertpapiere im Falle einer Kapitalanlage als Anlageform wählen würden.[9]

Investoren, die physisches Gold als Kapitalanlage erwerben möchten, stehen verschiedene Möglichkeiten der Lagerung offen: Die private Lagerung, beispielsweise in einem Safe im Haushalt, die Verwahrung in einem Bankschließfach oder die Verwahrung in zentralen Hochsicherheitstresoren von Sicherheitsunternehmen oder Banken. Im Falle der zentralen Verwahrung von Anlagegold spricht man auch von Tresorgold.

Definition

Laut offizieller Zusammenfassung der EU-Richtlinie 98/80/EG[10] wird Anlagegold wie folgt definiert:

„Gold in Barren- oder Plättchenform mit einem von den Goldmärkten akzeptierten Gewicht und einem Feingehalt von mindestens 995 Tausendstel (Barren oder Plättchen mit einem Gewicht von höchstens 1 g können die Mitgliedstaaten von der Regelung ausnehmen) oder Goldmünzen, die einen Feingehalt von mindestens 900 Tausendstel aufweisen, nach dem Jahr 1800 geprägt wurden, in ihrem Ursprungsland gesetzliches Zahlungsmittel sind oder waren und üblicherweise zu einem Preis verkauft werden, der den Offenmarktwert ihres Goldgehalts um nicht mehr als 80 % übersteigt“

– offizielle Zusammenfassung der EU-Richtlinie 98/80/EG

Barrengold

Ein „Good-delivery-Barren“ (Feingehalt 995 ‰) enthält gerundet 12,441 kg (400 Unzen) Gold. Gold wird außerdem in Barren zu 1, 5, 10, 20, 50, 100, 250, 500 und 1000 g sowie 1 Feinunze (zu 31,1034768 g) mit einem Feingehalt von 999,9 ‰ hergestellt und hauptsächlich von privaten Anlegern erworben – bei kleineren als 1-kg-Barren ist der Aufschlag (Differenz zwischen Ver- und Ankaufspreis der Banken, der sich eng am aktuellen Goldpreis orientiert) höher und beträgt teilweise über fünf Prozent. Kleine Goldbarren bis zu einer Feinunze Gewicht werden seit 1994 von Kleinanlegern trotz eines weiteren Kostenaufschlags zunehmend auch als Kinebarren geordert.

Seit 2012 gibt es bei einigen Anbietern auch die Möglichkeit, sogenannte „Tafelbarren“ zu erwerben. Dabei sind größere geprägte Barren durch eine Perforation mit exakten Sollbruchstellen unterteilt. Erhältlich sind etwa Barren zu 50 oder 100 Gramm, die jeweils in 100 Kleinbarren unterteilt sind. Dadurch wird eine nur teilweise Wiederveräußerung des Gesamtbarrens ermöglicht. Der Preis eines Tafelbarrens liegt aktuell (2020) über dem Preis eines nicht unterteilten Exemplars.

Goldmünzen

Neben Barrengold werden auch Goldmünzen als Anlageprodukt weltweit gehandelt. Einige der Münzen tragen dabei einen Nennwert; der Krügerrand als eine der weltweit bekanntesten Anlagemünzen verfügt über keinen Nennwert. Vorteile von Münzen sind, dass ihre Echtheit durch die Prägung staatlich garantiert ist und dass sie einfacher zu handhaben sind als Barrengold. Nach EU-Richtlinie sind auch ehemalige Umlaufmünzen, die zu mindestens 900/1000 aus Gold bestehen und nach 1800 geprägt wurden, als steuerfreies Anlagegold handelbar.

Möglichkeiten der Geldanlage in Anlagegold

Die am häufigsten genutzte Form der Investition in Anlagegold ist der physische Erwerb von Goldbarren oder Goldmünzen, d. h. sogenannten Anlagemünzen.

Der direkte Erwerb von Anlagegold ist darüber hinaus auch über den Kauf von Tresorgold möglich. Bei Tresorgold handelt es sich um in Hochsicherheitstresoren verwahrtes physisches Gold, an dem Anleger rechtliches Eigentum erwerben.

Neben den geschilderten Möglichkeiten des direkten Erwerbs von Anlagegold können Anleger auch börsengehandelte Goldprodukte, beispielsweise Gold-ETC, erwerben. In diesem Fall erwerben Anleger allerdings kein direktes Eigentum an physischem Gold, sondern je nach Produkt einen gedeckten oder ungedeckten schuldrechtlichen Anspruch gegen den Emittenten des Produktes oder einen Anteil an einem Sondervermögen, das Gold beinhaltet.

Börsengehandelte Goldprodukte

Bei börsengehandelten Goldprodukten handelt es sich um goldpreisbezogene Wertpapiere, die üblicherweise an einer oder mehreren Börsen gehandelt werden. Anlageinstrumente wie Publikumsfonds oder Exchange-traded funds können (einen Teil) ihre Anlagegelder in physisches Gold anlegen. In Deutschland zum öffentlichen Vertrieb zugelassene Fonds dürfen nur bis maximal 30 % ihres Anlagevolumens in physischem Gold halten.[11] Deshalb sind Gold-ETF – anders als beispielsweise in der Schweiz oder den USA – in der Regel auf dem deutschen Markt nicht erhältlich. Sogenannte Gold-Exchange-traded Commodities (ETC), wie zum Beispiel Xetra-Gold, können bis zu 100 % in Gold investiert sein. Es handelt sich dabei jedoch um Inhaberschuldverschreibungen.[12]

Neben diesen (teilweise) durch physisches Gold gedeckten Formen von börsengehandelten Goldprodukten gibt es auch zahlreiche nicht durch physisches Gold gedeckte Instrumente wie Zertifikate auf den Goldpreis oder andere Derivate.

Aktien von Goldminenunternehmen

Anteilsscheine von Goldminenunternehmen, auch manchmal als Goldaktien bezeichnet, ermöglichen eine indirekte Partizipation an steigenden Goldpreisen. Anleger erwerben mit Aktien von Goldminenunternehmen Anteile an den Minengesellschaften. Die Minengesellschaften verfügen meist über Produktionsstätten und/oder Förderrechte für die Goldproduktion.

Einige spezifische Aktienindizes – beispielsweise der NYSE Arca Gold BUGS Index – bündeln die Aktienkurse großer Goldminenunternehmen. Börsengehandelte Fonds, die diese Indizes abbilden, ermöglichen Anlegern eine Risikostreuung

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